Es ist ein schmaler Gang, schön hintereinander schiebt man sich an den Gitterstäben vorbei, zwängt sich durch eine Drehtür. Die erste von insgesamt vier. Die Halle ähnelt ein wenig einem Terminal am Flughafen. Einem provisorischen Terminal. Von einer Übergangssituation kann hier allerdings nicht die Rede sein. Checkpoints wie diese sind im Westjordanland zum festen Bestandteil des alltäglichen Lebens geworden.
Wir sind auf dem Weg von Ramallah nach Jerusalem. Schon eine Weile fährt man an der sechs bis acht Meter hohen “antiterroristischen Schutzmauer” vorbei. Sie ist Teil der 2003 begonnenen und international stark kritisierten israelischen Sperranlage an der Grenze zwischen dem Westjordanland und Israel. Auf der palästinensischen Seite der Betonmauer sind Graffitis und Slogans zu sehen.
Insgesamt soll der Schutzwall eine Länge von 707 km haben. Fertiggestellt sind bisher 434 km, an 60 km wird momentan gearbeitet. Und die Begründung ist – wie fast immer hier – der Schutz der israelischen Bürger. Schutz vor terroristischen Anschlägen und Selbstmordattentätern. Die Sperranlage verläuft nicht an der im Waffenstillstandsabkommen von 1949 festgelegten de-facto Grenze des Staates Israel entlang; an vielen Stellen überschreitet sie die sogenannte Grüne Linie, gräbt sich ins Westjordanland hinein. Sie schützt israelische Siedlungen und schneidet nicht selten Palästinensern den Weg zu ihren Grundstücken und Feldern ab.
Die Checkpoints kontrollieren den Passanten- und Autoverkehr; und das nicht nur an der Grenze sondern auch innerhalb des Westjordanlandes. Auf dem täglichen Weg zur Arbeit, zur Schule oder zum Studium werden die Palästinenser daran erinnert, wer hier die Kontrolle hat. Insgesamt 504 Absperrungen (Checkpoints, Straßensperren und Blockaden aus Stacheldraht oder Erdaufschüttungen) versperren ihnen den Weg.
Junge Soldaten der Israel Defense Forces (IDF) sitzen teils kartenspielend, teils gelangweilt teilnahmslos in den Kontrollräumen der Checkpoints – während auf der anderen Seite der Scheibe Palästinenser auf das Aufleuchten des grünen Lichtes warten, um sich durch die eiserne Drehtür zu schieben.
Vor uns versucht eine palästinensische Mutter ihre drei Kinder durch das Drehtür zu bekommen. Der Kleine klemmt sich den Fuß ein. Er dreht sich nach seiner Mutter um, sie versucht ihm durch die Stäbe zu helfen. Er quengelt nicht. Es ist für ihn Alltag, er wächst damit auf. Die jungen Soldaten schauen nicht einmal durch das Fenster.






Danke für Fotos. Die antiterroristische Schutzmauer scheint zu funktionieren. (Auch wenn es euch nicht gefällt.)